Appelle: Von der Wirkung unserer Kommunikation

„Ich war neulich im Keller….“, sagt Sara, worauf Paul nach einer kurzen Pause antwortet „… okay, bis Ostern“.

Es dreht sich erkennbar um das jährliche Aufräumen des Kellers bei einem altvertrauten Paar, das gelernt hat, seine Kommunikation zu verdichten und zu optimieren. Wir haben schon einige Ebene herausgearbeitet, auf denen das Gespräch verläuft: die Sache, um die es geht, nämlich den Keller, sodann die Dinge, die Sara über sich preis gibt und schließlich ihre Sicht der Beziehung zwischen den beiden.

Appelle und Königreiche

Eine Ebene müssen wir uns noch anschauen, den Anteil, den Paul an Saras Wunsch hat. Sein Anteil liegt ganz klar darin, Saras geäußerte Bitte – auch wenn in keiner Silbe die Bitte (den Keller aufräumen) oder der Appell klar erkennbar ist – anzunehmen und umzusetzen. Mit der Weise, wie sie die Bitte äußert, will sie das Risiko klein halten: nämlich, dass sie mit ihrer Idee den Keller aufzuräumen, keine Gegenliebe findet. Das Risiko besteht darin, dass ihr Wunsch nach einem aufgeräumten Keller mit Pauls Unlust aufzuräumen in Konflikt gerät. Auf einer allgemeinen Ebene kann man sagen, dass Saras Bitte, über einen Teil von Pauls Zeit und Arbeitskraft verfügen zu dürfen, zurückgewiesen wird. Von Schulz von Thun soll auch der Ausspruch stammen: mit jedem Appell beträte man Königreiche. Es gibt eben auch Könige, die hier etwas empfindlich sind und gleich eine Grenzverletzung wittern.

Für Paul als Saras routiniertem Gesprächspartner spielen diese Überlegungen und Vermutungen keine Rolle. Er hört, was er hören soll und gibt seine Zustimmung zu der Bitte.

Nach dem Gang durch alle vier Ebenen zeigt sich schön, dass ein Modell eben doch nicht das wirkliche Leben ist. Vielleicht beschlich Sie zwischendurch auch einmal der Gedanke, man könne die Überlegungen und Aussagen der einen Ebene locker einer anderen zuordnen ohne falsch zu liegen. Sprachen wir nicht bereits bei Saras Äußerungen über die Beziehung von ihrem Appell an Paul? Wir „sagen“ und „hören“ immer zugleich auf allen vier Ebenen, wir bewegen uns tatsächlich noch nicht einmal auf vier Ebenen, sondern auf der einen, nämlich der des Gesprächs. Wenn wir uns übrigens, wie hier geschehen, nicht mehr über irgendetwas unterhalten, sondern darüber, wie wir miteinander reden, dann betreiben wir eine spezielle Art der Kommunikation, nämlich Metakommunikation. Doch davon sprechen wir an anderer Stelle.

Was bleibt?

Appelle an den Gesprächspartner bergen Risiken, die klein und beherrschbar gehalten werden sollen. Das wird erreicht durch eine möglichst exakte Ausrichtung auf den Gesprächspartner.

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