Der Anfang von Smalltalk: Die Kontaktaufnahme

Smalltalk beginnt mit Kontaktaufnahme: dem gegenseitigen Einverständnis.

Smalltalk beginnt mittels Kontaktaufnahme, genauer der Verabredung von zwei bis fünf Menschen, miteinander den Smalltalk zu beginnen. Damit ist klar, dass zwischen den Menschen etwas geschieht, bevor der eigentliche Smalltalk beginnen kann.

Was davor geschieht, lässt sich in zwei Ereignisse einteilen: Kontaktaufnahme mit oder ohne Augenkontakt der Beteiligten.

Stellen Sie sich einmal vor, während einer Veranstaltungspause gehen Sie mit einem Getränk in der Hand auf einen Bistrotisch zu, an dem bereits ein Mensch steht. Sie möchten sich dazustellen und wollen auch ein Gespräch führen. Wie geht die Kontaktaufnahme? Sie gehen auf den Tisch zu, vielleicht sieht sie der andere Besucher am Tisch sogar kommen oder vielleicht auch nicht. Diese Wahrnehmung spielt erst dann eine Rolle, wenn Sie die Distanz von ihm so unterschreiten, dass Sie einander mit jeweils einem ausgestreckten Arm berühren könnten. Sie haben die sogenannte „soziale Distanz“ zum anderen Besucher unterschritten und befinden sich jetzt in seinem persönlichen Distanzraum. Hier besteht in unserer Situation ein kleines Ungleichgewicht zwischen ihnen beiden. Der eine stand bereits dort, hat also die Territorialrechte an dem Bistrotisch und hatte zudem diesen Tisch auch als möglichen Schutz vor sich. Beides gilt auch dann, wenn der zuerst Anwesende nur drei Sekunden vor ihnen kam und der Tisch ist auch dann ein Schutz, wenn er nur eine Platte auf einem dünnen Fuß bietet. Wichtig ist, erster zu sein und über Schutz zu verfügen; beides beeinflusst unser Verhalten entscheidend.

Sie brauchen eine Einladung

Wenn Sie mit dem Getränk am Bistrotisch landen wollen, sind nur ein paar Details zu klären. Sie müssen ankündigen, dass Sie kommen wollen und damit das in Ordnung ist, brauchen Sie eine Einladung. Das geht folgendermaßen.

Denken Sie daran, Sie sind in der schwächeren Position, weil der andere die älteren Rechte hat. Zuerst also müssen Sie diesen Unterschied wahrnehmbar akzeptieren und um eine Einladung bitten. Das geschieht auf der Ebene der Körpersprache und am besten durch mehrere eindeutige Signale, die zusammengenommen keinen Zweifel an Ihrer Absicht lassen. Am besten ist, den Schritt etwas zu verlangsamen und mit allen Körperbewegungen zu zögern. Natürlich suchen Sie den Blickkontakt. Wenn Sie dort keine Ablehnung sehen, stellen Sie ihre Frage nach der Einladung – natürlich auch wieder körpersprachlich. Ein leicht aus der Lotrechten nach rechts oder links geneigter Kopf, ein Lächeln und etwas fragend geöffnete Augen sind völlig ausreichend. Zusammen mit der leicht verlangsamten Körperbewegung kommt klar die Frage rüber: „Darf ich?“. Jetzt ist der andere am Zug. Ihre Körpersprache zu spiegeln, also im Großen und Ganzen das gleiche zu tun, was Sie den Bruchteil einer Sekunde getan haben, reicht als Zustimmungssignal. Also wird auch der andere, der mit den älteren Rechten, eine zustimmende Mimik machen und eine Körperbewegung, die Sie einlädt, zum Beispiel einen halben Zentimeter zur Seite zu treten, um Ihnen Platz zu machen. Die gespiegelten Bewegungen werden übrigens minimal geringer ausfallen als die Ihrigen – nun der andere hat einfach die älteren Rechte. Die spielen dann keine Rolle mehr, wenn Sie tatsächlich am Tisch stehen.

Die Frage der älteren Rechte spielt keine Rolle mehr, sobald Sie sich einvernehmlich gegenseitig in ihrem persönlichen Raum befinden.

Vorausgesetzt Sie sind willkommen, stellen Sie die Kaffeetasse ab und der Smalltalk kann beginnen. Wahrscheinlich mit einer Bemerkung von Ihnen, am wahrscheinlichsten mit einem neutralen Gruß, wie „Guten Tag“ und einer sofort angehängten weiteren Bemerkung. Der andere wird nach - einem vielleicht kurzen und kaum wahrnehmbaren Zögern – den Faden aufnehmen und der Smalltalk hat begonnen. Wie gesagt, eine alltägliche und nicht besonders aufregende Begebenheit.

Doch was, wenn kein Augenkontakt möglich ist?

Spannender wird der Beginn des Smalltalks, wenn keine Möglichkeit besteht, einander in die Augen zu sehen, sondern einer sofort mit dem Reden oder gar Handeln beginnt. Nehmen wir die gleiche Situation der Veranstaltung, nur mit dem Unterschied, dass der bereits am Tisch stehende Veranstaltungsbesucher in einem Flyer liest und Sie gar nicht beachtet. Wahrscheinlich bemerkt er Sie erst, wenn Sie „Guten Tag“ sagen und fragen, ob Sie sich dazu gesellen dürfen. Sie haben nun bereits die persönliche Schutzzone des anderen verletzt, für den Flyerleser ist ihr Eintreten in sein Territorium schlimmstenfalls eine Form von Aggression. Indem Sie sein Territorialrecht am Bistrotisch nicht anerkannten, also ignorierten, wird er ihr Verhalten als respektlos interpretieren. Hatten wir es im ersten Fall mit einem nur kleinen Ungleichgewicht zu tun, ist das nun bereits beträchtlich größer. Wenn Sie nun beim Bistrotischpartner Unsicherheit feststellen, sind damit vielleicht auch Angst und das Gefühl der Überrumpelung verbunden. Zudem kommt noch die Aufgabe auf ihn zu, den eigenen Vorgang zu einem Ende bringen zu müssen (Lesen des Flyers), um Aufmerksamkeit für einen anderen mobilisieren zu können (sich mit Ihnen zu beschäftigen).

In der Situation haben Sie gestört und viel gravierender noch, Sie haben den anderen überrascht, nach seiner Wertung vielleicht sogar überrumpelt.

In diesen Fällen wird von Ihnen zwischen dem Gruß und der Frage, ob Sie sich dazu gesellen dürfen, noch eine Entschuldigung eingeschoben werden. In der Situation haben Sie gestört und viel gravierender noch, Sie haben den anderen überrascht, nach seiner Wertung vielleicht sogar überrumpelt. Dafür müssen Sie sich entschuldigen. Das geschieht mit einem Satz und zwar dem richtigen. Sagen Sie deshalb bloß nicht „Ich wollte nicht stören“ – natürlich wollten sie es, sonst hätten Sie es nicht getan. Sagen Sie auch nicht „habe ich Sie gestört“ – sie unterstellen dem anderen, er könne nichts Rechtes mit einem Flyer anfangen, denn wenn man ihn betrachtet oder liest, die das Hinzutreten eines anderen immer eine Unterbrechung und damit eine Störung. Fragen Sie lieber „darf ich mich zu ihnen gesellen“ oder ähnliches, denn die Frage entspricht der Entscheidungslage des anderen. Er hat sich noch nicht entschieden, weil keine körpersprachlichen Signale einer Einladung kamen. Ihre Chancen auf ein „ja“ erhöhen Sie mit dieser Frage. Sie werden übrigens auch dann ein „ja“ bekommen, wenn Ihr Gegenüber die Frage als eine rhetorische aufgefasst hat.

Was bleibt?

Smalltalk - so kurz er auch erscheint - hat einen Anfang, der von den Beteiligten initiiert werden muss. Bereits vor den ersten Worten tasten sich die Gesprächspartner mit Augenkontakt und Körpersprache einander an. Ist Augenkontakt nicht möglich - wird der anvisierte Gesprächspartner also überrascht - muss die Erlaubnis nachträglich eingeholt werden. Auf diese Weise geben wir zu verstehen, das wir uns der Störung bewusst sind und die Privatsphäre des Gegenübers schätzen - eine gute Grundlage für gelingenden Austausch.
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