Der erste Eindruck – quick and dirty

Die Unsicherheit des ersten Eindrucks wird vom Unterbewusstsein behoben, indem die Eindrücke in vier Achsen sortiert und bewertet werden.

Unsicherheit reduzieren

Charles Berger und Richard Calabrese haben die Unsicherheit gut beschrieben, die wir erleben, wenn wir anderen Menschen begegnen. Sie halten es für die wichtigste Beschäftigung in den ersten Sekunden und Minuten der Begegnung, die Unsicherheit zu reduzieren. Es klingt dramatisch, von Unsicherheit in der ersten Begegnung zu sprechen. Tatsächlich ist der Ausdruck aber keineswegs übertrieben, denn wir erleben immer wieder aufs Neue Dramen, wenn wir Menschen zum ersten Mal treffen (Ausführlicher stellen wir das an anderer Stelle dar). Um es hier kurz anzudeuten: wir wissen nicht, was uns jenseits des allgemeinen Kontexts, jenseits der Konventionen und Rituale der ersten Begegnung wirklich am anderen Menschen erwartet. Da wir aber unsere Erfahrungen und Erwartungen kennen und unsere Befürchtungen und Ängste fühlen, können wir uns alles vorstellen. Zum Drama wird diese Ausgangslage, weil wir schnell zu einer Entscheidung kommen müssen, wie wir den anderen Menschen tatsächlich einschätzen und wie wir uns ihm gegenüber verhalten. Wir ahnen und vermuten, dass alles was bei uns vor sich geht, vielleicht auch bei ihm anzutreffen ist. In der ersten Begegnung gibt es keine Fehlertoleranz: „der erste Eindruck entscheidet“, nämlich darüber welche allgemeine Richtung wir im Verhalten einschlagen. Die Unsicherheit ist in der ersten Begegnung am größten, hört aber mit deren Ende nicht schlagartig auf, sondern wiederholt sich bei jeder weiteren Begegnung, wenn auch in einem stets kleiner werdenden Maße. Das ist die erste gute Botschaft an dieser Stelle. Es gibt eine weitere.

Warum „quick and dirty“?

Wir sind nämlich normalerweise sehr gut geübt darin, die andere Person in der ersten Begegnung schnell einzuschätzen und unser Verhalten danach auszurichten. Diese erste Einschätzung funktioniert nach dem Grundsatz „quick and dirty“, hier ist die Geschwindigkeit mindestens ebenso wichtig wie die Auswertung der Informationen, die wir sammeln. Wenn wir uns diesen Vorgang aus der Nähe anschauen, stellt sich zuerst die Frage, zur Beantwortung welcher Fragen wir die Informationen sammeln.

Achtung Körpersprache

Die schon etwas älteren Forschungen von Albert Mehrabian geben hier einen Aufschluss. Ohne in die Details zu gehen, besagen sie, dass der größte Teil des sogenannten ersten Eindrucks nicht aus den Inhalten der gesprochenen Worte stammt, sondern sich aus dem Auftreten und dem Verhalten – also aus der Körpersprache – ergibt. Die Körpersprache unseres Gegenübers in der ersten Begegnung erkennen und analysieren wir in hohem Tempo – Geschwindigkeit ist wichtiger als Genauigkeit. Vielleicht erinnern Sie sich daran, wie es ist zum ersten Mal einen ihnen bislang unbekannten Menschen zu treffen. Die Festlegung für den ersten Eindruck, für ihr weiteres Verhalten läuft, sobald sie dem Menschen näher kommen  – oder er ihnen. Und zwar unabhängig davon ob sie mit dem Menschen einen weiteren Kontakt eingehen wollen oder auch nicht. Der erste Eindruck bildet sich bereits, selbst wenn sie beide noch im öffentlichen Raum sein sollten. Viel können sie noch nicht erkennen, aber immerhin doch, wie sehr der Menschen sich in sich zurückzieht oder aus sich herausgeht, also wie präsent also introvertiert oder extrovertiert er ist. Beim Näherkommen können sie feststellen, wie viel Interesse der andere Mensch an ihnen hat, wie er sich ihnen zuwendet. Sind sie dann ungefähr im Bereich des sozialen Raumes, können sie den Menschen genauer wahrnehmen und besser beobachten. Jetzt können Sie sich eine Meinung bilden, wie angespannt oder locker der andere ist. Als viertes Element kommt dann in der Begegnung der Aspekt hinzu, welche Distanz der andere zu Ihnen hält.

Was bleibt?

Dier erste Begegnung mit Unbekannten löst Unsicherheit aus, weil wir nicht wissen, was uns erwartet. Unser Unterbewusstsein springt ein, gibt schnell und umfassend eine Einschätzung unseres Gegenübers und ordnet die Erkenntnisse auf vier Achsen an: Präsenz, Interesse, Anspannung und Distanz. Für den ersten Eindruck gibt es also wirklich keine zweite Chance, aber wollen wir das auch? Wenn ja, hilft die genauere Betrachtung der vier Achsen.

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