Smalltalk 5: Minenfeld erste Begegnung

Smalltalk: Minenfeld erste Begegnung

Vom großen Abenteuer der ersten Begegnung:

Große Abenteuer werden nicht unbedingt kleiner, wenn man sie oft erlebt. Eines der größten Abenteuer ist die Begegnung mit Fremden (s.a. Der Anfang von Smalltalk), also mit Menschen, denen man bislang noch nicht begegnet ist. Als soziale Wesen kommt uns noch nicht einmal der Gedanke, das Abenteuer ganz zu vermeiden und anderen Menschen aus dem Weg zu gehen: Verhielten wir uns so, wir lebten auf einem einsamen stillen Planeten und sähen in den Fußspuren anderer nur einen Wegweiser, in die andere Richtung zu gehen. Wir brauchen andere Menschen und zugleich haben wir Anlass, die erste Begegnung zu fürchten und auf der Hut zu sein. Drei Erlebnisse sind es, die uns vorsichtig machen.

1. Unser Drehbuch unseres Fühlens, Denkens und Handeln

Zum einen sind da die Erfahrungen, die wir bereits mit anderen Menschen gemacht haben. Erfahrungen sind die Regieanweisungen, die Erlebnisse mit anderen Menschen in den Drehbüchern unseres Fühlens, Denkens und Handelns hinterlassen haben. Erfahrungen kann man machen, wenn einem irgendwie bewusst ist, dass es ein zweites gleiches oder ähnliches Mal geben kann und es sich dafür lohnt, Schlüsse aus dem ersten Mal zu ziehen. Menschen sind ziemlich gut darin, Erfahrungen zu sammeln. Sie werden gesammelt mit dem manchmal manischen Sammeltrieb, der uns eigen ist. Eigene und selbst gemachte Erfahrungen spielen eine wichtige Rolle und auch die Erfahrungen aus zweiter Hand, Erfahrungen anderer, die wir aufnehmen, uns zurechtbiegen und in unseren eigenen Erfahrungsschatz integrieren.

2. Unsere Fantasie über unsere Erfahrungen

An dieser Stelle kommt die Fantasie ins Spiel. Wir können die eigenen Erfahrungen abwandeln ohne sie real machen zu müssen, wir können uns vorstellen, wie es wäre, wenn es so oder so geschähe, wie es wäre, würden wir wirklich im Lotto gewinnen oder dem Chef mit einer Kündigung endlich einmal die Meinung sagen. Sollte es dann wirklich einmal so weit sein, ist die gewonnene riesige Summe mit vierzehn anderen Menschen zu teilen und die Kündigung, die wir eigentlich dem Chef auf den Tisch knallen wollten, wird von der Urlaubsvertretung zurück- und an die Personalabteilung weiter verwiesen. Aber wir konnten uns vorstellen, wie es sein könnte, und damit fast schon wie es ist.
Mehr noch können wir uns vorstellen, wozu andere Menschen in der Lage sein können, man glaubt es kaum und insgeheim weiß man es doch.
Wir versetzen uns in andere Menschen, ziehen bei Ihnen ein und leben unser Leben für einen mehr oder weniger langen Moment aus ihnen heraus. Was wir jetzt an Einsichten und Erfahrungen sammeln, ist allein schon deswegen notwendiges Wissen, weil es uns in der ersten Begegnung mit Menschen vorsichtig macht.

3. Unsere Erinnerung an unser eigenes Handeln

Drittens gibt es die Erinnerung an unser eigenes Handeln, also ein umfangreiches Wissen über uns, das wir zu einem Teil gar nicht mit anderen Menschen teilen wollen, weil es in den Giftschrank gehört. Dort stehen mehr oder weniger sauber etikettiert die unguten und schief gelaufenen Erlebnisse, die Missgriffe und Blamagen. Sie stehen dort gut sichtbar für uns und dennoch abgeschlossen im Giftschrank, weil wir auf der Hut sind und sie kein zweites Mal geschehen lassen wollen. Mit diesen Gedanken, Gefühlen und Bildern stehen wir da, im ersten Augenblick der ersten Begegnung mit einem Menschen. Es hebt sich der Vorhang, alte Erfahrungen mischen sich mit neuen Eindrücken und ganz unmerklich verändert sich wieder der Blick auf die Welt.

Was bleibt

Wenn unsere Erinnerungen, unsere Fantasie und Erfahrungen uns ganz individuell und persönlich auf erste Begegnungen blicken lassen, werden uns immer wieder kehrende Muster deutlich. Und so ganz nebenbei wird auch klar, welche Stellschrauben wir uns bewusst machen müssen, um erste Begegnungen losgelöst von Unsicherheit gelingen zu lassen.
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