Wenn es reicht: Unangenehme Gespräche gelingend beenden.

In den folgenden Abschnitten geht es um eine Eskalationstechnik, gezielt und absichtsvoll mit körpersprachlichen Mitteln, ein (unangenehmes) Gespräch zu beenden. Nein, es erwartet Sie jetzt kein Schaf im Wolfspelz, keine Umkehrung der Absicht, nämlich genau das Gegenteil dessen zu beabsichtigen, was angekündigt wird. Was wir Ihnen in den folgenden Abschnitten präsentieren, sind funktionierende Techniken, Gespräche gezielt zu beenden und zwar auf eine Art und Weise, dass der zukünftige ehemalige Gesprächspartner keinen Zweifel darüber haben kann, was gespielt wird: das Gesprächsende ist angesagt. Es geht also nicht um windelweiche Ausreden und vorgeschobene Sachzwänge, die ein Ende des Gesprächs – „leider, leider“ – erzwingen, es geht um Klartext. Begeben wir uns also in den Keller der Beziehungen zwischen Menschen. Noch ganz oben stehen wir noch im lichten Glanz des Zuhörens, des aktiven Zuhörens natürlich und von einem Gesprächsende kann gar keine Rede sein. Wir nicken einander zu, äußern zustimmende Laute und paraphrasieren die Äußerungen des anderen. Im Kommunikationsseminar haben wir schließlich gut aufgepasst und anschließend fleißig geübt.

Unangenehme Gespräche: Unangenehm ist, was für Sie unnötig, belästigend oder verletzten ist. Ein Beispiel:

Allerdings soll es nun darum gehen, hier und jetzt ein unangenehmes Gespräch zu beenden. Vielleicht wird es als lästig empfunden, unnötig oder vielleicht sogar belästigend und verletzend. Schauen wir uns den alten und allwissenden Kollegen an, der seine kümmerlichen Weisheiten großväterlich den jungen Leuten aufdrängt, besonders gern den jungen Frauen, aber nicht nur denen – „wissen Sie, junger Mann, zu meiner Zeit, da war das alles noch ganz anders.“ Was wir beobachten: Die beiden Personen stehen oder sitzen beide im Bereich zwischen dem sozialen und dem persönlichen Raum. Beide müssen entweder stehen oder sitzen, sonst funktioniert die Technik nicht. Irgendwie fließt der holprige Austausch zwischen beiden hin und her. Vor allem dem jungen Kollegen ist die Anstrengung anzumerken: er gibt sich Mühe angemessen und höflich zu reagieren, sagt „hm“ und „ja“, lächelt (etwas gequält) und hält den Augenkontakt, ja er kehrt sogar zu den Augen des Älteren zurück, wenn sein Blick einmal weg geglitten ist. Ihm ist anzumerken, vor allem an den Bewegungen der Beine, dass er am liebsten fort möchte und weg aus dieser Situation. Der Ältere merkt rein gar nichts, für ihn läuft das Gespräch prima, immerhin stehen seine Themen im Mittelpunkt und die Signale des jungen Mannes nimmt er als Zustimmung. Wie kann der Jüngere nun zu einem Gesprächsende kommen? Steigen wir also die Treppe in den Keller der Beziehung herab.

Eine Anleitung für den geschmeidigen Abgang, ohne laute Ansage und trotzdem wirkungsvoll.

Der erste Schritt des Jüngeren besteht darin, seine zustimmenden Äußerungen und Signale zurück zu fahren. Das bedeutet zuerst, dem Älteren weniger Augenkontakt, weniger „hm“ und „ja“ zu spendieren. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird der die Veränderung der Gesprächssituation nicht bemerken. Unbewusst registriert er vielleicht eine gewisse zunehmende Einseitigkeit des Gesprächs und ein leichtes Zurückweichen des anderen, aber nichts was sich nicht durch noch mehr Geschichten oder Sprüche, durch mehr Bewegungen und vielleicht sogar Körperkontakt - ein Klaps auf die Schulter soll Wunder bewirken - ausgleichen ließe. Dennoch: der Ältere muss jetzt schon mehr Energie in das Gespräch und seine Selbstdarstellung investieren. Das ist für ihn anstrengend, aber die Situation scheint sich prinzipiell erst einmal nicht zu ändern. Deswegen besteht der zweite Schritt darin, dass der junge Kollege seine Lautäußerungen beendet. Dafür intensiviert er seinen Augenkontakt mit dem anderen. Verbunden ist damit meistens eine Reduktion seiner Körperbewegungen. Jetzt kann man von außen schon ein deutliches Ungleichgewicht feststellen. Der Ältere redet und redet, vielleicht mit höherem Tempo und noch sensationelleren Inhalten – „wissen Sie, was ich damals zum CEO gesagt habe: Peter habe ich gesagt, Peter, mach das nicht“ – während der andere immer stummer und bewegungsärmer wird. Der Jüngere schaut den Älteren an als würde er von außen einen Prozess betrachten, aufmerksam und ohne unfreundlichen Gesichtsausdruck, aber doch nicht mehr involviert und mit neutraler Mimik.

Wenn Ihr Gegenüber länger braucht...

Wir haben es in unserem Beispiel allerdings mit einem hartnäckigen Veteranen zu tun, der sich durch eine neutrale Mimik keineswegs aufhalten lässt. Vielleicht interpretiert er die Situation sogar ganz anders, nimmt das Schweigen des jungen Kollegen als ein konzentriertes oder vielleicht sogar atemloses Zuhören, ist sich seines Publikums sicher und gern bereit noch eins drauf legen: „anfangs hat er nicht auf mich gehört, aber dann ist ihm klar geworden, dass er mit mir reden muss, um da rauszukommen.“ Das kann nicht stundenlang so weiter gehen. Um zu einem Ergebnis zu kommen, muss der junge Kollege noch eine Stufe tiefer in den Keller – eine kleine Stufe nur, es ändert sich bloß eine kleine Kleinigkeit, aber die hat es in sich. Im dritten Schritt muss der Jüngere seine Haltung nicht mehr groß verändern, sondern nur darauf achten, jetzt überhaupt keine körperliche Regung mehr zu zeigen, die vom anderen als Zustimmung interpretiert werden könnte. Die Nase kann er sich noch putzen, aber auf die Hände ist jetzt unbedingtes Augenmerk zu richten. Hände haben ihr Eigenleben und sind nur selten bewegungslos. Auf dieser Stufe dürfen sie aber nicht die kleinste Zustimmungsbewegung machen.

Unser Tipp:

Übrigens ist Hände in die Taschen zu stecken oder hinter dem Rücken zu verschränken kein guter Ratschlag. Sind die Hände eines Gesprächspartners für eine gewissen Zeit – ungefähr ein bis drei Minuten – nicht zu sehen, stellt sich unbewusst ein unsicheres Gefühl ein, das ziemlich schnell zu aggressivem Verhalten führen kann, ohne wirklich zu wissen, woher es rührt. Viele Menschen auf dieser Stufe werden in der rhetorischen Grundhaltung stehen. Kurz noch einmal die rhetorische Grundhaltung: die Beine stehen im Winkel von ca. 15 Grad fest und nebeneinander auf dem Boden. Von den Füßen aufwärts, sind alle Hauptpartien des Körpers (Unter- und Oberschenkel, Hintern, Rücken, Schulter, Kopf) durchgearbeitet, d.h. sie sind kurz und kräftig angespannt und dann langsam entspannt worden. Nach dieser Übung steht man fest und sicher, wirkt authentisch und selbstbewusst.

Verstärker: Verschränken Sie die Arme vor der Brust

Manchmal kann es jetzt noch ein Tipp zur Verstärkung sein, die Arme vor der Brust zu verschränken. Das schafft Eindeutigkeit und zeigt jetzt sicher Ablehnung – was ja sonst bei dieser Geste nicht immer der Fall ist. Die verschränkten Arme können in dieser Situation aber auch überwirksam sein und als Ablehnung und Aggression verstanden werden, was wir auch hier wieder vermeiden wollen. Die Mimik des Jüngeren ist nun bewegungs- und ausdruckslos, er hält ständig Augenkontakt mit dem Älteren, ohne in ein Drohstarren zu verfallen. Er steht nun einfach da, verhält sich als schaute er dem Geschehen zu und lässt die Räuberpistolen des anderen an sich abperlen. Die wichtigste Aufgabe dieser Stufe ist, durchzuhalten. Das Ergebnis kann Minuten dauern und gerade jetzt ist eine Minute eine kleine Ewigkeit. Der Aufwand lohnt sich, denn spätestens auf dieser wird auch dem Gegenüber klar, dass etwas Grundsätzliches nicht mehr stimmt: sein Opfer spielt nicht mehr mit. Leider ist das die nüchterne Beschreibung dessen, was der Ältere jetzt und andere Achtlosredner oft innerlich erleben: es hat doch gar keinen Zweck mehr, das interessiert ihn nicht, ich werfe Perlen vor die Säue, die jungen Leute sind beratungsresistente Grünschnäbel. Der Ältere wird die Entwicklung der Situation als die Zurückweisung erleben, die sie ist. Zerfließen wir nun nicht vor Mitleid mit dem Achtlosredner: seine Beurteilung der Situation, seine Verurteilung und Entwertung der anderen Person ist ein völlig normaler Vorgang, der mehr über ihn und seine Erwartungen an andere Menschen aussagt als über den schweigenden jungen Kollegen.

Mehr als 90 % der Gespräche werden auf diese Weise schnell beendet sein.

Die Technik, die eigenen sozialen Signale dem anderen gegenüber auf null zu fahren, ist äußerst wirksam. Man kann davon ausgehen, dass mehr als 90 Prozent der Gespräche auf dieser Stufe nach relativ kurzer Zeit beendet sein werden. Und zwar beendet sein werden, ohne dass ein böses oder negatives Wort gefallen wäre. Die Verweigerung sozialer Beachtungs- und Anerkennungssignale in einem persönlichen Gespräch führt zur Beendigung der Situation. Die ehemaligen Gesprächspartner gehen auseinander und zwar im wörtlichen Sinne – sie trennen sich. Der junge Kollege kann vielleicht sagen, nachdem er verstanden worden ist, er habe nun dieses und jenes zu tun. Der andere macht vielleicht das Gleiche und schießt eventuell noch eine kleine ironische Bemerkung hinterher – am besten wird sie überhört -, die nur zeigt, dass er in der Situation nicht die Oberhand behielt. Die eventuelle kleine ironische Bemerkung ist eng mit dem sog. „letzten Wort haben“ verwandt. Wir schauen uns das noch einmal an anderer Stelle an.

Was ist mit den Konsequenzen?

An dieser Stelle müssen wir den Kellergang unterbrechen – wir sind natürlich noch nicht ganz unten angekommen – und eine Zwischenbilanz ziehen. In unseren Seminaren zur Körpersprache taucht nämlich auf dieser Stufe die Frage nach den Folgen auf. Meistens sind es Frauen, die die Frage wagen. Was sind die Konsequenzen der Verweigerung von Beachtungs- und Anerkennungssignalen für die Beziehung der beiden?

Wir erleben keine Verbesserung der Beziehung – natürlich nicht, aber wir erleben auch keine Verschlechterung.

Die Beziehung war von Anfang nicht gut und vor allem nicht partnerschaftlich oder gleichberechtigt, weil einer – in unserer Geschichte der ältere Kollege – dem jüngeren keine Wertschätzung, noch nicht einmal eine gespielte, entgegen brachte. Die Beziehung, in der es möglich ist, einen anderen Menschen mit einem Gespräch zu überziehen, ohne auf die Interessen der anderen Person zu achten, kann schon vor dem Gespräch nicht gut gewesen sein. Die Folge für die Beziehung ist Richtigstellung und damit Klärung. Nämlich dem anderen klar zu verstehen zu geben, kein Gespräch zu wollen oder zumindest keines unter diesen Bedingungen. Diese Hälfte der Konsequenz wird von den Seminarteilnehmerinnen bereitwillig akzeptiert. Auf der anderen Seite muss auch klar sein, dass der zurechtgewiesene Kollege sich zurechtgewiesen oder gemaßregelt vorkommt und mit dieser Einsicht nicht leben will, sondern sie am liebsten gegen die andere Person kehren möchte

Was bleibt

Es ist ja nichts passiert, es ist nichts gesagt worden, es wurde alles auf der Ebene der Körpersprache geklärt. Ein direkter Angriff ist jetzt also ziemlich unwahrscheinlich, die Folge wird vielleicht sein, dem jungen Kollegen nachzusagen, mit ihm sei nicht gut Kirschen essen und überhaupt sei es besser, ihn nicht weiter zu beachten. In der Wirklichkeit des Arbeitslebens muss man eine solche Reaktion als Respekt bezeichnen und ein respektvolles Verhalten ist nicht das schlechteste.
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