Was der Wetterbericht und gelingende Kommunikation gemeinsam haben

Alle kennen es, jeder macht es – doch insgesamt hat er einen zweifelhaften Ruf. Es ist ein wenig wie die Reputation eines Mittels gegen Fußschweiß: praktisch und unverzichtbar, aber man redet nicht gern darüber, weil es sonst aussieht, als wenn man es nötig habe.

Wir reden vom Smalltalk. Uns fallen kein Mensch, keine Kultur, keine Bevölkerungsgruppe und auch keine Gesellschaft ein, in der es keinen Smalltalk gab oder gibt. Wie gesagt: jeder kennt es, jeder macht es. Wieso ist Smalltalk dann umstritten?

Gepflegtes Vorspiel oder nichtiges Geschwätz?

Es gibt klare Befürworter, die ihn in die Richtung einer gepflegten Unterhaltung schieben möchten und dann gern den weitgehend bedeutungslosen Begriff des zwanglosen Plauderns ins Spiel bringen. Andere wiederum wollen im richtig geführten Smalltalk das Vorspiel zu einem gepflegten Gespräch erkennen. Aber die Gegenseite ist auch nicht ohne: nichtiges Geschwätz und leeres Gerede sei der Smalltalk, er halte Menschen davon ab, sich über wirklich relevante Themen auszutauschen. Wer habe es denn schon wirklich und ernsthaft nötig, übers Wetter zu reden? – so lautet das Hauptargument.

Meteorologen reden natürlich über das Wetter, sie verdienen damit sogar ihren Lebensunterhalt, und wenn man in Erwägung zieht, dass die Wetterprognosen in den letzten Jahren immer besser geworden sind, dann verdienen die Meteorologen als fleißige Fachleute auch unsere Achtung. Was aber nun haben Meteorologen mit dem Smalltalk zu tun? Meteorologen tragen Datenmaterial zusammen, um Entwicklungen zu prognostizieren. Sie haben nicht viel Zeit, weil sie ja nicht das Wetter in einem halben Jahr vorhersagen wollen, sondern das von morgen oder übermorgen. Sie müssen in kurzer Zeit zu einem Ergebnis kommen und zwar zu einem richtigen, nämlich der Vorhersage, die sich am nächsten Tag durch einen bloßen Blick in den Himmel bewahrheitet – oder nicht bewahrheitet; wodurch die Vorhersage ganz schnell und eindeutig überprüfbar wird.

Alle diese Elemente können wir im Smalltalk wiederfinden. Smalltalk ist nichts für eine lange Beschäftigung, nach wenigen Minuten ist seine Zeit abgelaufen.

Wir tragen Eindrücke, Informationen und Wertungen über einen anderen Menschen zusammen, aus denen wir ableiten, also prognostizieren, wie es wohl mit dem anderen Menschen weitergehen kann und ob sich die Entwicklung weiterer Gemeinsamkeiten überhaupt lohnt. Die gestrige Prognose des heutigen Wetters ist morgen vergessen und der Smalltalk ganz am Anfang wenn sich Menschen kennenlernten, ist es auch – meistens jedenfalls. Wetterprognose wie Smalltalk sind für einen Augenblick wichtig, nicht mehr – und auch nicht weniger.

Über Smalltalk nachzudenken und zu schreiben, ist eine Aufgabe, mit der wir nicht so schnell fertig werden, dazu ist das Phänomen viel zu komplex. Wir wollen zeigen, dass die gelingende Kommunikation im Smalltalk ihren Anfang nimmt.

Und meinen Sie nicht auch, dass wir heuer einen viel zu nassen und zu kalten Sommer hatten?

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